3.

 

Wenn das Siegel durchbricht und ich jubelnd entweich',
 Wird ein eiskaltes Frösteln sie packen sogleich.

 

Matt stand neben der riesigen Douglastanne, die wunderschön geschmückt war. Der hohe Baum wuchs auf dem Hof über den Klippen vor dem Haus. Einen so schönen Anblick hatte er selten gesehen, doch im Vergleich zu Kate verblasste sogar die herrliche Tanne. Kate stand mit einer Schneekugel in den Händen auf der Veranda und lächelte ihn an. Ihre Augen waren so grün wie das Meer und ihr langes dichtes Haar war zu einer Art raffiniertem Knoten geschlungen, aus dem er am liebsten jede einzelne Nadel gezogen hätte, um zu beobachten, wie es sich löste und ihr in Kaskaden über die Schultern fiel.

Er stieg die Stufen zur Veranda hinauf und streckte ihr seine Hände entgegen. »Woher um alles in der Welt hast du diese Schneekugel? Das Motiv sieht genauso aus wie euer Haus und dieser Weihnachtsbaum.«

Sie legte die Schneekugel in seine Hände. Zwei ihrer Schwestern standen gemeinsam mit ihr auf der Veranda und musterten ihn mit ernsten Gesichtern. Er war vollauf damit beschäftigt gewesen, Kate anzustarren, und daher hatte er die beiden gar nicht wahrgenommen. Seine Hände schlossen sich um die schwere Kugel und streiften Kates Finger. Ein elektrischer Funke sprang an seinem Arm hinauf. Fast sofort erwärmte sich die Schneekugel in seinen Händen. »Guten Tag, die Damen.«

»Hallo, Matt«, begrüßte ihn Hannah. Abbey nickte ihm zu.

Er hatte sich zwar nach Kräften bemüht, sich nach der Arbeit zu säubern, und seine Hände hatte er bestimmt eine gute halbe Stunde lang geschrubbt, um den Schmutz unter den Fingernägeln zu entfernen, doch jetzt stellte er bestürzt fest, dass es ihm nicht gelungen war. Seine Nägel schienen von dem seltsamen Schimmer, der durch das Glas der Kugel drang, angestrahlt zu werden. Im Innern der Kugel entflammte plötzlich die Lichterpracht am Baum und gleichzeitig begann schauriger weißer Dunst in wirbelnden Schwaden aufzusteigen. Fasziniert drehte und wendete er die Kugel zwischen seinen Händen und sah sie aus allen Richtungen an. Er wollte dahinterkommen, weshalb die Lichter angegangen waren, doch er konnte nirgends eine Batterie oder einen Schalter finden. Bei näherem Hinsehen fiel ihm ein seltsamer dunkler Schatten auf, der am Fuße des Baumes Gestalt annahm und den Pfad zu den Stufen des Hauses hinaufschlich. Sein Körper reagierte mit Alarmbereitschaft, als er die verstohlenen Bewegungen des Schattens beobachtete.

»Dieses Ding ist gespenstisch.« Er reichte Hannah die Schneekugel und nahm mit einer bewusst besitzergreifenden Geste Kates Ellbogen. Als wollte er seine Ansprüche abstecken. Seine Absichten kundtun. Seine Finger legten sich um ihren schlanken Arm und sein Herz machte tatsächlich einen Satz. Sie trug eine weiße Spitzenbluse, die sich an ihre festen Brüste schmiegte und ihre Unterarme freiließ. Sein Daumenballen glitt über ihre zarte Pfirsichhaut, um zu erkunden, wie sie sich anfühlte. Sie erschauerte und er brachte seinen Körper dichter an ihren, um die Brise, die vom Meer her wehte, von ihr fernzuhalten. Sie verabschiedeten sich von ihren Schwestern und gingen auf seinen Wagen zu.

Kate räusperte sich. »Ich weiß es zu schätzen, dass du hergekommen bist, um mich abzuholen, Matthew. Wir hätten uns auch dort treffen können.«

»Das ist doch lächerlich, Kate. Wir wollen beide an denselben Ort und euer Haus liegt für mich auf dem Weg. Ich dachte mir, wir könnten die Pläne für die Renovierung bei einem gemeinsamen Abendessen besprechen, nachdem wir uns die Mühle genau angesehen haben.« Er zog die Tür seines Mustang-Cabriolets auf. Das Verdeck war geschlossen. »Was hast du mit der Schneekugel getan?«

Sie blickte lächelnd zu ihm auf und ihm verschlug es den Atem. »Wir sind noch dabei, das Haus zu schmücken. Hannah hat die Kugel gerade vom Dachboden geholt und war dabei, das Glas zu säubern. Das ist in unserer Familie Tradition. Wir holen sie nur an Weihnachten heraus und dann hat jede von uns einen Wunsch frei.«

»Was war das für ein seltsamer dunkler Schatten, der sich durch die Kugel bewegt hat?«

Kate wandte sich abrupt zum Haus um. Matt stand dicht neben ihr, um ihr die Tür des Mustang aufzuhalten, und daher prallte sie mit ihrer Nase an seine Brust. Eine Sekunde lang blieb sie mit geschlossenen Augen stehen und dann atmete sie tief ein. Er spürte durch seine Haut hindurch und bis in die Knochen hinein, wie sie Atem holte. Die Spitzen ihrer Brüste streiften seinen Brustkorb und ließen Feuer durch seine Adern rasen. Tief unten in seinem Bauch verdichtete sich die Glut. Kate roch nach Zimt und Zedern. Er wollte sie in seine Arme ziehen und sie auf der Stelle küssen. Vor den Augen ihrer Schwestern.

»Matthew.« Soweit er sich erinnern konnte, hörte er zum ersten Mal, dass Kates Stimme atemlos klang. »Was tust du da?«

Er merkte erst jetzt, dass er seine Arme um sie geschlungen hatte. Er hielt sie eng an sich gepresst und spürte, dass sein Körper reagierte. Mit einem stummen Fluch ließ er sie los und wandte sich von ihr ab. »Ich dachte, du würdest einsteigen.« Seine Stimme klang sogar in seinen eigenen Ohren rau. Nie hatte er eine Frau so sehr begehrt wie Kate. Er kam sich alles andere als sanft vor, obwohl er es doch so gern sein wollte. Er kam sich auch nicht nett oder charmant vor, obwohl es ihm im Allgemeinen leicht fiel, charmant zu sein. Er fühlte sich vielmehr tierisch gereizt und unruhig. Er verspürte das unbändige Verlangen, Kate in seinen Wagen zu zerren und sie dort einzuschließen, ein primitiver Drang, der ganz und gar untypisch für ihn war. Und sie sah aus, als würde sie jeden Moment die Flucht ergreifen.

»Du hast tatsächlich einen Schatten in der Kugel gesehen?«, fragte sie. »Was hat er getan?«

Diese Frage war das Letzte, was er im Moment von ihr erwartet hatte, und ihm lief ein eisiger Schauer über den Rücken. »Ich konnte nicht erkennen, was es war. Der dunkle Schatten ist vom Fuß des Baumes aus den Pfad zur Veranda vor dem Haus hinaufgeschlichen. Das ist doch euer Haus in der Kugel, oder nicht? Anstelle von Schneegestöber wirbelt dort Nebel oder Dunst. Dadurch wirkt die Kugel ausgesprochen gespenstisch.«

Kate warf einen Blick zurück auf ihre Schwestern. Hannah stellte die Schneekugel mit größter Behutsamkeit auf das breite Geländer und trat einen Schritt zurück. In der gläsernen Kugel wogte dichter Nebel. Die Lichter auf dem winzigen Weihnachtsbaum sandten ein seltsames oranges und rotes Glühen durch den Dunst, fast so, als stünde der Baum in Flammen. Matt behielt Kates Schwester genau im Auge. Bis auf die Jahre beim Militär hatte er sein ganzes Leben in Sea Haven verbracht. Er hatte die seltsamsten Dinge über die Drake-Schwestern gehört. In ihrer Nähe fühlte er, dass Kraft und Energie die Luft knistern ließen, und diese Energien entströmten eindeutig ihnen. Der Raum um sie herum war von einer Kraft erfüllt, die man geradezu einatmen konnte. Hannah hob ihre Arme und Wind peitschte vom Meer herauf. Er trug leise Stimmen mit sich, deren Worte unmöglich zu verstehen waren, doch ihr Gesang war melodiös und wirkte harmonisch.  Das seltsame Licht in der Schneekugel wurde schwächer, bis nur noch ein matter Schimmer geblieben war. Die Stimmen im Wind murmelten weiter, bis die Lichter hinter dem Glas flackerten und erloschen und die Kugel zurückblieb wie eine ganz gewöhnliche Weihnachtsdekoration.

Der Wind hüllte sie nun in kühle Luft ein. Matt schmeckte das Salz des Meeres. Er sah auf seine Finger hinunter, die sich um Kates Arm geschlossen hatten. Er hatte sie ohne einen bestimmten Grund und ohne sich etwas dabei zu denken schützend an sich gezogen. Er wusste, dass er sie loslassen sollte, aber er brachte es einfach nicht fertig. Ihr schlanker Körper bebte und Matt hätte nicht mit Sicherheit sagen können, ob vor Kraft oder vor Furcht, aber das war ihm im Moment vollkommen gleichgültig.

Kate blickte zu ihm auf. »Ich kann dir nicht erklären, was gerade mit der Schneekugel passiert ist.«

»Ich verlange keine Erklärung. Ich möchte nur, dass du jetzt in meinen Wagen einsteigst.«

Sie blickte lächelnd zu ihm auf. »Danke, Matthew. Das ist wirklich nett von dir.« Sie entspannte sich sichtlich und gestattete ihm, ihr auf den warmen Ledersitz zu helfen.

Neben Matt kam sich Kate sehr klein vor. Im Wagen erschien er ihr riesig und kraftstrotzend. Seine Schultern waren so breit, dass sie sie in dem beengten Raum immer wieder streiften. Beim Einatmen sog sie seinen maskulinen Geruch tief in ihre Lunge ein. Im ersten Moment fühlte sie sich benommen. Fast hätte sie laut gelacht. Die Vorstellung, dass Kate Drake vom Geruch eines Mannes schwindlig wurde! Das hätte ihr keine ihrer Schwestern geglaubt. Der Wagen nahm die scharfen Kehren auf der Küstenstraße mit Lässigkeit und Präzision und bewältigte sie so spielend, dass Kate sich ein wenig entspannte. In Matts Nähe fühlte sie sich immer geborgen. Sie wusste nicht, warum, aber diese Frage stellte sie sich schon gar nicht mehr.

Er warf einen schnellen Seitenblick auf sie. »Stört es dich, wie die Leute immer über deine Familie reden?«

»Sie sagen nette Sachen über uns«, hob Kate hervor.

»Das weiß ich selbst. Ihr seid die größten Schätze des Städtchens, aber stört es dich?«

Kate lächelte ihn an. »Diese Frage würde mir außer dir niemand stellen.« Sie seufzte. »Es sollte mich nicht stören. Wir sind anders. Es ist ja nicht gerade so, als könnten wir das verbergen, und natürlich reden die Leute über unsere Eigenarten. Wir sind hier aufgewachsen und daher kennt uns jeder und in einem gewissen Maß beschützen uns die Leute vor Fremden. Aber es stimmt schon, es stört mich, dass sie sich unserer Gegenwart, wo auch immer wir auftauchen, sehr bewusst sind.« Diese Worte hatte sie noch nie laut ausgesprochen, noch nicht einmal ihren Schwestern gegenüber.

»Du fehlst mir, wenn du dich in der Weltgeschichte herumtreibst, Kate. Ich bin froh, dass du beschlossen hast, nach Hause zu kommen.«

Ihr Lächeln wurde strahlender. »Du bist ein solcher Charmeur, Matthew. Sogar mit mir flirtest du, und dabei kenne ich dich schon mein ganzes Leben lang. Viel ruhiger bist du nicht geworden seit deinen wilden College-Zeiten. Als ich in der Highschool war, haben sämtliche Mädchen behauptet, du hättest in Stanford einen legendären Ruf.«

»Stimmt doch gar nicht. Ich hätte ein College besuchen sollen, das möglichst weit weg von hier ist und nicht nur zwei Stunden entfernt. Dann wäre vielleicht weniger geredet worden. Und flirten liegt mir gar nicht«, sagte er mit fester Stimme. Am liebsten hätte er den Wagen geparkt und sie einfach nur angesehen. Stundenlang ihre zarte Haut gestreichelt und sie geküsst. Sowie sich diese Gedanken in seinen Kopf einschlichen, machte sich ein dumpfer Schmerz in seinem Körper breit. Das passierte jedes Mal, wenn er in ihrer Nähe war. Er war ein erwachsener Mann, aber sein Körper reagierte auf Kate, als sei er ein pubertierender Junge.

»Matthew, du flirtest mit allen. Und dein Ruf ist verheerend. Wenn nicht ohnehin schon so viel über mich geredet würde, würde ich mir Sorgen machen.«

»Über mich redet niemand.«

Sie lachte leise. »Die Geschichte über dich und Janice Carlton habe ich schon so oft gehört, dass ich sie dir im Schlaf erzählen könnte.«

Er stöhnte. »Darüber wird immer noch geredet? Das ist doch schon so lange her. Ich hatte Urlaub, wann war das noch? Vor sechs Jahren, denke ich. Ich habe sie in der Bar aufgegabelt und es stimmt, dass ich sie mitgenommen habe. Sie war betrunken, Kate. In dem Zustand konnte ich sie doch nicht einfach dort stehen lassen.«

»Und wie kam dann ihre Bluse auf die Sträucher vor dem Lebensmittelgeschäft?«

Matt warf einen Seitenblick auf sie. »Okay, ich gebe zu, dass es ihre Bluse war, aber jetzt hör bloß auf, Kate. Ich war schließlich nicht mehr in der Highschool. Wie kannst du einem Erwachsenen zutrauen, dass er sich benimmt wie ein Schuljunge? Sie war tierisch betrunken, und sowie wir losgefahren sind, hat sie angefangen, sich aus ihren Klamotten zu schälen. Sie hat ihre Bluse aus dem Fenster geworfen und ihren BH hätte sie gleich hinterhergeworfen, aber ich habe zu ihr gesagt, wenn sie das tut, setze ich sie auf dem Bürgersteig ab. Ich habe sie schleunigst nach Hause gefahren. Und wenn du unbedingt wissen willst, warum niemand meine Version der Geschichte kennt, dann kann ich dir ganz genau sagen, woran das liegt – ich rede nicht gern über Frauen, die sich mir betrunken an den Hals werfen. Trotz allem, was du gehört hast, hat meine Mutter mich zu einem anständigen Kerl erzogen. Es mag schon sein, dass wir ein bisschen ungeschliffen sind, aber die Granites haben ein ausgeprägtes Ehrgefühl.«

Der Mustang bog geschickt in die Auffahrt ab, die zu der alten Mühle auf der Klippe über der Seelöwenbucht führte. Matt fuhr bis ans Ende des unbefestigten Weges und parkte vor dem länglichen Gebäude aus Holz. Er schaltete den Motor aus und legte seinen Arm auf die Rücklehne ihres Sitzes. Unter den Klippen toste der Ozean, ein zeitloser Rhythmus, der ein Echo seines Herzschlags zu sein schien. »Die meisten Geschichten über mich sind nicht wahr, Kate.«

Kate sah starr vor sich hin und hielt ihren Blick auf das alte Gebäude geheftet. Ein großer Teil des Holzes war vom Meersalz angefressen. Der stetige Ansturm des Windes hatte die Farbe längst abblättern lassen. Sie liebte den Anblick der Mühle und ihr gefiel es, wie harmonisch sie sich dort oben auf der Klippe einfügte, ein Stück Vergangenheit, das sie in die Zukunft hinüberretten wollte. Sie holte tief Atem, fasste sich und drehte sich zu Matt um.

Von nahem war Matthew Granite ein Riese von einem Mann mit ausgeprägten Muskeln, die unter seiner Haut spielten, und einem kräftigen, sturen Kinn. Seinen Mund hätte sie ewig anstarren können - sie träumte sogar davon - und die Form seiner Lippen hatte sich schon bei etlichen Helden ihrer Bestseller eingeschlichen. Seine Augen waren ganz erstaunlich. Sie hätten grau sein sollen, waren aber eher silbern, eine verblüffende Farbe, die ihr Herz dreimal so schnell schlagen ließ. Er hatte dichtes, dunkles Haar, in das sie ihre Finger gern gegraben hätte, und er trug es länger als die meisten Männer. Kate spürte einen leichten Schwindel, als sie seine muskulöse Brust ansah und dann in seine funkelnden silbernen Augen aufblickte. »Verflixt noch mal, Matthew, und ich dachte die ganze Zeit, du seist der tollste Hecht überhaupt.« Es gelang ihr, ein unbeschwertes Lachen auszustoßen. »Es ist nicht nett, einer Frau ihre Illusionen zu nehmen.«

Er blickte finster. »Ich habe nicht behauptet, dass ich nicht der böse Bube von Sea Haven bin.«

»Ich dachte, der böse Bube von Sea Haven sei Jonas Harrington.«

Matt wirkte beleidigt. »Ich war nie der Zweitbeste.« Seine Hand hob sich und legte sich unerwartet auf ihre Kehle.

Kate war sicher, dass ihr Herzschlag aussetzte. Seine Handfläche war breit und seine Finger schlangen sich mühelos um ihren Hals, als er mit dem Daumen ihren Kopf zurückbog und sie gezwungen war, die plötzlich aufflammende Gier in seinen Augen lodern zu sehen. Nichts hätte Kate weniger erwartet und die Intensität seines Blicks schockierte sie. »Matthew.« Sie hauchte seinen Namen, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Das war keine gute Idee, gar keine gute Idee. Aus ihnen konnte nichts werden.

Er senkte schlicht und einfach seinen Kopf und ergriff Besitz von ihrem Mund. Sein Kuss war alles andere als zart. Er zerrte sie eng an sich, ein Verhungernder, der sie mit heißen, drängenden Küssen verschlang. Es verschlug ihr den Atem und sämtliche Nervenenden in ihrem Körper schrien auf. Elektrizität knisterte zwischen ihnen und sprang in beide Richtungen über. Feuer raste über ihre Haut und ließ sie innerlich schmelzen. Er übernahm die Führung und küsste sie gierig. Seine Zunge duellierte sich mit ihrer und verlangte Reaktionen, die sie ihm zu ihrer großen Verblüffung nicht abschlagen konnte.

Ihre Arme schlangen sich verstohlen um seinen Hals und ihr Körper presste sich dicht an seine Glut. Die Hitze und der Zauber waren so überwältigend, dass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte.

Ein lautes Hupen ließ Kate schlagartig zurückschrecken. Matt fluchte und warf gerade noch rechtzeitig einen Blick auf die Schnellstraße, um seine Brüder zu sehen, die winkend, johlend und hupend vorbeifuhren. »Diese verfluchten Idioten«, sagte er, aber die immense Zuneigung in seiner Stimme war beim besten Willen nicht zu überhören.

Kate presste eine zitternde Hand auf ihre geschwollenen Lippen. Ihre Haut fühlte sich von seinen nachmittäglichen Bartstoppeln wund und aufgescheuert an. Sie wagte es nicht, in den Spiegel zu sehen, aber sie wusste, dass man ihr ansah, wie gründlich sie geküsst worden war. »Deine Brüder waren unsere Rettung.«

»Deine vielleicht, aber ich sitze ganz schön in der Patsche.« Verdammt noch mal, das konnte man tatsächlich behaupten. Was hatte diese Frau bloß an sich? Warum verlor er in ihrer Gegenwart jedes Mal wieder die Selbstbeherrschung? War sie tatsächlich eine Hexe? Seine Brüder würden sich einiges anhören müssen, wenn er sie in die Finger bekam. Er konnte sich gut verstellen, wie sie ihn aufziehen würden, nachdem sie gesehen hatten, dass er wie ein Teenager mit Kate Drake knutschte. Noch schlimmer wurde es, als er sah, dass Jonas Harrington im Schneckentempo vorbeifuhr und offenbar auf der Suche nach ihnen war. Danny und sein Funkgerät sollte der Teufel holen. Wenn sie sich nicht besser vorsahen, würde ganz Sea Haven darüber reden. Dann würde ihn Kate wegen des Geredes meiden und nichts wünschte er sich weniger.

Er berührte sanft Kates gerötetes Gesicht. Ihre zarte Haut war von seinen Bartstoppeln aufgescheuert. »Ich hätte mich rasieren sollen, Katie, tut mir leid. Ich hatte nicht vor, dich zu küssen.« Es stimmte schon, er wollte sie küssen. Er hatte gehofft, dass er sie küssen würde. Letzte Nacht, als niemand in der Nähe war, war er tatsächlich auf die Knie gesunken und hatte ein Weihnachtswunder erfleht, aber sie brauchte wirklich nicht zu wissen, wie sehr er sich nach ihr verzehrte.

Ihr Herz überschlug sich, als sie ihn »Katie« sagen hörte, und eine Million Schmetterlingsflügel flatterten in ihrem Innern. »Mir macht das nichts aus.«

Er nahm ihr Gesicht in seine Hände. »Mir aber. Ich muss behutsamer mit dir umgehen.« Er ließ sie abrupt los und öffnete die Wagentür. Alles andere wäre gefährlich gewesen, wenn sie derart verführerisch aussah. Die Kühle, die vom Meer kam, strömte herein und vertrieb die Glut ihrer Körper aus dem Wagen.

Kate wartete nicht, bis er um den Wagen herumging, um ihr die Tür aufzuhalten. Sie war restlos erschüttert und schockiert über ihre Reaktion auf ihn. Untypischer ging es gar nicht. Der ach so praktisch veranlagten Kate war gerade ein furchtbarer Fehler unterlaufen, der sich nicht rückgängig machen ließ. Sie konnte Matt immer noch schmecken, sein Geruch haftete ihrem Körper weiterhin an und sie fühlte sich ungeheuer gereizt und verspürte ein gewaltiges ungestilltes Verlangen, ein so elementares Bedürfnis wie Hunger und Durst. Sie stand da, hob ihr Gesicht in den Wind und hoffte, ihre Haut würde sich abkühlen und dieses rasende Verlangen, das sie ständig in sich trug, würde einmal mehr Ruhe geben.

Matt nahm ihre Hand und führte sie den rissigen, unebenen Pfad zum Gebäude hinauf. Sie wehrte sich nicht und wich auch nicht vor ihm zurück.

»Die Bausubstanz ist einwandfrei«, versicherte sie ihm, als sie die Tür aufschloss. »Ich möchte bei der Erweiterung und dem Anbau so viel wie möglich von dem ursprünglichen Gebäude erhalten. Ich dachte an Terrassen im Freien mit einem Windschutz für die sonnigeren Tage und im Innern an einen geräumigen Bereich mit Stühlen und kleinen Tischen, an denen die Leute sitzen und lesen und Kaffee oder Kakao oder was auch immer trinken können. In einem Raum, der früher ein Büro gewesen sein muss, gibt es einen großen steinernen Kamin und den möchte ich nach Möglichkeit auch behalten.«

Kate redete unermüdlich, um ihre Unruhe zu überspielen. Sie hob die rustikalen Elemente hervor, die sie bewahren wollte, und wies auf sämtliche Problembereiche hin, die ihr bewusst waren. Dabei nahm sie sehr deutlich wahr, dass Matt weiterhin ihre Hand hielt. Zweimal versuchte sie, ihm unauffällig ihre Hand zu entziehen, doch er zerrte sie quer durch den Raum, um eine Stelle näher zu untersuchen, an der das Holz dicht über dem Fundament morsch war.

»Wohin führt diese Treppe?« Er öffnete die abgesackte Tür und lugte in das dunkle Innere hinunter. Die Stufen schienen sehr steil zu sein und er war sicher, dass die Wände auf halber Höhe nur noch aus Lehm waren. »Gibt es hier Licht?«

»Gewissermaßen«, sagte Kate. »Es ist über der zweiten Stufe von oben. Ich kann die Schnur nicht erreichen.«

»Weshalb lässt es sich nicht von hier oben aus bedienen?« Er zog behutsam an der Schnur und rechnete fast damit, dass die Glühbirne platzen würde. Das Licht ging an, aber es warf nur einen schwachen gelben Schein und gleichzeitig setzte ein seltsam surrendes Geräusch ein. »Was ist das?«

»Ich weiß es nicht, aber der Mann von der Brandschutzdirektion hat mir versichert, dass hier nichts passieren kann.« Sie lächelte ihn an. »Ist nicht einer deiner Brüder Elektriker?«

»Es wird eine ganze Weile dauern, bevor wir ihn brauchen«, sagte Matt und begann die Stufen hinunterzusteigen. Der Treppenaufgang war recht solide gebaut, aber die Wand gefiel ihm nicht. Von der Mitte aus breiteten sich etliche Risse in alle Richtungen aus wie Spinnennetze. Er sah Kate mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Sie schüttelte den Kopf. »Das Erdbeben muss die Wand beschädigt haben. Die Sprünge waren noch nicht da, als ich mit dem Makler hier unten war. Ich bin sogar zweimal runtergestiegen, um sicherzugehen, dass nicht das ganze Gebäude im Meer versinkt. Ich weiß, dass es in einem schlechten Zustand ist, aber der Standort ist einfach ideal. Wenn es sein muss, kann ich die Mühle vollständig abreißen und sie neu aufbauen. Falls du es für das Beste hältst, richte ich mich nach deinem Rat, aber ich möchte wirklich so viel wie möglich von dem ursprünglichen Gebäude bewahren.«

»Das wird mehr Geld kosten, als es wert sein könnte, Kate«, warnte er sie.

Kate zitterte, als sie die Treppe in den schwach erleuchteten Keller hinunterstiegen. Dort war es wesentlich kälter, als sie es in Erinnerung hatte. Außerdem fühlte sie jetzt eine eisige Bösartigkeit, die vorher nicht da gewesen war. Sie sah sich vorsichtig um und stellte sich Schutz suchend näher neben Matt. Eine ungezügelte boshafte Belustigung ließ die Luft um sie herum vibrieren. »Lass uns gehen, Matthew.« Sie zog an seinem Arm.

Er sah sie schnell an. »Was ist los, Katie?« In seiner Stimme schwang eine Liebkosung mit, die sie trotz der eisigen Kälte im Keller wärmte. »Du kannst oben warten, während ich mich umsehe.« Er spürte ihr Zittern und nahm ihr die Jacke ab, die sie unter dem Arm hielt, um ihr hineinzuhelfen. »Allzu lange werde ich nicht brauchen.« Er knöpfte ihre Jacke zu und ließ die Finger anschließend auf dem Revers liegen, um sie festzuhalten.

Kate schüttelte den Kopf. »Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht. Ich möchte dich nicht allein lassen. Matthew«, sagte sie zögernd und suchte nach den richtigen Worten. »Ich fühle, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Seit ich das letzte Mal hier unten war, hat sich etwas verändert.«

Seine silbernen Augen glitten über ihr Gesicht. Plötzlich zwinkerte er ihr so sexy zu, dass ihr Herz heftiger schlug. »Ich werde mich beeilen, das verspreche ich dir.«

Kate folgte dicht hinter ihm, da es ihr widerstrebte, sich in dem schummerigen Keller allzu weit von ihm zu entfernen. Der Raum war lang und breit und hatte einen Lehmboden. »Ich glaube, von den Schmugglern wurde er als Lagerraum benutzt. Es gibt eine Treppe, die durch einen schmalen Tunnel zur Bucht hinunterführt. Ein Teil des Tunnels ist vor ein paar Jahren eingestürzt, aber ich habe im Tagebuch meiner Großmutter gelesen, dass die Mühle dafür benutzt wurde, Vorräte, Waffen und Gewürze zu lagern, die mit Booten gebracht wurden.« Sie presste ihre Lippen fest zusammen, weil sie entschlossen war, ihn nicht abzulenken, während er sich die Wände und den Boden des Kellerraums ansah.

»Was ist das?« Matt blieb neben einer seltsamen Platte auf dem Boden stehen. Sie war mindestens fünf Zentimeter dick und sah fast aus wie ein Sargdeckel, wenn man von der ovalen Form absah. Die Oberfläche war rau und mit Symbolen bedeckt, die man unmöglich lesen konnte, da sie mit Erde und Schmutz verkrustet waren. Mitten durch diese Platte zog sich ein breiter Sprung.

Kate zog die Stirn in Falten. »Das ist mir vorher nie aufgefallen. Es muss unter dem Lehm verborgen gewesen sein. Könnte das Beben tatsächlich solche Mengen Erde in Bewegung versetzt haben?« Sie trat widerstrebend näher. Die eiskalte Luft kam aus dem tiefen Sprung. »Das gefällt mir nicht, Matthew.«

»Es ist kein Grab, Kate«, hob er hervor. Er kauerte sich daneben und streifte die Erde an den Rändern ab. »Es ist eher so etwas wie eine Art Siegel.«

Sie hockte sich neben ihn. Ein kalter Luftstrom streifte ihre Handfläche, als sie mit der Hand über den zerbröckelnden Stein fuhr. Sie wischte die Erde von den Symbolen und versuchte, die alten Hieroglyphen zu entziffern. Es war eine der altertümlichen Sprachen und doch war sie ihr allzu vertraut. Ihre Vorfahren, Generationen von mächtigen Hexen, hatten solche Symbole verwendet, um sich miteinander zu verständigen. Ihre Mutter hatte sie alle gedrängt, die Sprache zu lernen, und Kate kannte einige der Symbole, aber nicht alle. »Dort steht etwas über Zorn. Die Symbole sind teilweise abgesplittert und abgewetzt. Einige Worte kann ich lesen, und zwar ›versiegelt, bis zum Tage, an dem eine geboren  wird ... ‹« Sie unterbrach sich frustriert und beugte sich noch weiter vor, um die Bedeutung der Worte zu entziffern.

»Woher kennst du diese Symbole? Sind sie ägyptisch?«, fragte Matt.

Kate schüttelte den Kopf. »Nein, unsere Familie hat sie ersonnen. Wir hätten sie alle lernen sollen. Meinst du, es könnte sich um eine Art Brunnen handeln?«

Matt grub weiterhin neben den Rändern der dicken Platte. »Es kann kein Brunnen sein, Kate. Vielleicht ist es eine Art Gedenkstein?« Er zog an der schweren Platte. Sie zerbröckelte an den Rändern, bewegte sich aber auch ein wenig von der Stelle.

»Nein!« Kate packte Matts Arm und zog fest daran. »Wir wissen nicht, was sich darunter verbirgt. Irgendetwas kommt mir an dieser ganzen Geschichte nicht richtig vor. Kannst du die Böswilligkeit nicht fühlen, die durch den Riss strömt?« Sie wich taumelnd zurück, riss ihn mit sich und wäre fast hingefallen. Er musste sie auffangen, als ein widerliches Gas aus dem Schlitz strömte, der sich geöffnet hatte.

»Das ist nur Gas von zersetzter Materie, die lange Zeit dort eingeschlossen war«, sagte Matt und zerrte Kate so weit wie möglich von dem Spalt fort. Er stieß sie vor sich her zur Treppe. »Manchmal können solche Gase Übelkeit erregen, wenn nicht noch Schlimmeres, Kate. Atme es möglichst nicht ein.« Sie wirkte bleich und ihre Augen waren vor Entsetzen weit aufgerissen. Sie starrte die Abdeckung an, ohne sich von der Stelle zu rühren, und hatte sich eine Hand vor den Mund geschlagen. Matt konnte sehen, dass sie von Kopf bis Fuß zitterte.

Augenblicklich schlang er seine Arme um sie und zog sie eng an sich. Er umhüllte ihren Körper fast vollständig, und doch löste sie ihren Blick keinen Moment lang von dem seltsamen gelblich schwarzen Dampf, der aus dem Spalt strömte. Sie schien wie hypnotisiert von diesem Anblick zu sein.

»Das ist nichts weiter, Kate, nur ein Loch im Boden. Wahrscheinlich ist es schon seit Hunderten von Jahren dort.« Er blieb nur ruhig, um ihr die Furcht zu nehmen, doch all seine Sinne hatten auf Alarmbereitschaft geschaltet.

Matthew konnte den boshaften Triumph offenbar nicht fühlen, der aus dem Boden strömte, die rebellische Auflehnung, ein Aufsprudeln der Siegesgewissheit. Sie konnte dieses Etwas nicht identifizieren und hatte keine Ahnung, was es war, aber sie hatte entsetzliche Angst, sie könnten etwas Gefährliches freigesetzt haben. Voller Grauen beobachtete sie den hässlichen dunklen Dampf, der sich in Schwaden in dem Kellerraum ausbreitete und dann die Treppe hinauf in Richtung Freiheit zog. Zurück blieb eisige Kälte, die sie bis in die Knochen frösteln ließ.

»Hör auf zu zittern, Kate. Das ist nur Gas. In diesen alten Abzugsschächten kommt das laufend vor.« Matt war es unerträglich, dass sie sich derart fürchtete. »Wir finden ständig irgendwelche Einschlüsse. Du warst doch nicht im Tunnel, oder? Dort könnte es nämlich außer den eingestürzten Stellen auch alle möglichen Gaseinschlüsse geben.«

»Hast du jemals erlebt, dass Gas so etwas tut? Sich zielstrebig durch den Raum bewegt?«

»Irgendwoher kommt Wind vom Meer, Kate. Kannst du die Zugluft nicht spüren? Sie ist deutlich wahrnehmbar.«

»Ich muss mir diese Symbole ansehen, Matthew. Ich glaube, unter diesem Verschluss war etwas eingesperrt und das Erdbeben hat das Siegel aufgebrochen.« Sie wusste, dass ihre Worte ungeheuer lächerlich klangen. Wahrscheinlich wirkte sie auf ihn wie eine Spinnerin, aber sie war sicher, dass sie recht hatte. Etwas war aus dieser Abzugsöffnung hinausgeglitten, etwas, dem es nicht bestimmt war, an die Erdoberfläche zu gelangen.

Matt musterte aufmerksam ihr ernstes Gesicht und die Furcht in ihren Augen. »Lass mich erst nachsehen, ob du dort sicher bist, Kate.« Er schob sie behutsam von sich und bahnte sich über den unebenen Lehmboden einen Weg zu der zerbröckelnden Felsplatte im Boden.

»Sieh dich vor, Matthew.« Als er sie ansah, wünschte sie, sie hätte den Mund gehalten. Ihre Worte mussten zunehmend paranoisch klingen.

Er schnupperte vorsichtig. Es stank ziemlich übel, aber er konnte mühelos atmen, ohne zu husten. »Ich glaube, dir kann nichts passieren, Kate. Ich kippe nicht um und mir wird auch nicht mulmig. Ich weiß nicht, was zum Teufel deiner Meinung nach gerade hier vorgefallen ist, aber wenn es dich derart erschreckt hat, dann werde ich daran glauben. Jonas sagt, man soll an keiner von euch Drakes jemals zweifeln.«

Sie war ihm dankbar dafür, dass er versuchte, sie zu verstehen, aber gleichzeitig wusste sie, dass es ihm unmöglich war. Kate senkte den Kopf und wich seinem Blick aus, weil sie sich davor fürchtete zu sehen, wie er sie jetzt anschaute. Sie ließ sich neben der Platte auf den Boden sinken und strich behutsam mit ihren Fingern über den Stein, damit nicht noch mehr abbrach.

Matt wartete stumm, so lange er es aushalten konnte. Das Tosen des Meeres war im Hintergrund zu hören. Das Echo der Brandung wurde gespenstisch von den Wänden zurückgeworfen. »Sagen dir die Zeichen etwas?« Er bemühte sich, jede Spur von Ungeduld aus seiner Stimme fernzuhalten, obwohl er Kate am liebsten geschnappt und aus diesem Keller herausgetragen hätte.

Kate beugte sich dicht über die Zeichen, um die Worte zu entschlüsseln. Sieben Schwestern. Sieben Drake-Schwestern. Ihre Ahninnen. Sie hatten etwas unter die Erde verbannt, seinen Geist in diesen Abzugsschacht gesperrt, um etwas zu beschützen. Sie konnte den Text nicht präzise entziffern, da Teile der Buchstaben abgesplittert und abgewetzt waren, aber sie fürchtete, dass die Bewohner des Städtchens Schutz brauchten. Sie konnte auch etwas entziffern, was mit Weihnachten und Feuer und einer zu tun hatte, die geboren werden würde und Frieden bringen könnte. Kate blickte zu Matt auf. Das Entsetzen in ihren Augen würde sich unter gar keinen Umständen verbergen lassen und sie versuchte es gar nicht erst. »Ich muss sofort nach Hause.«

Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK
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